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WIRTSCHAFT
06. Mai 2011, 09:24 Uhr
ThyssenKrupp bereinigt sein Portfolio PDF Drucken E-Mail

Essen. Zum Abbau seiner Schuldenlast will der ThyssenKrupp-Konzern sein Portfolio bereinigen. Das beschloss der Vorstand des Unternehmens vergangene Nacht in einer außerordentlichen Sitzung. Vorstandschef Heinrich Hiesinger (Foto) kündigte an, man wolle die Edelstahl-Sparte mit rund sechs Milliarden Euro Umsatz und 11.000 Mitarbeitern komplett aus dem Konzern herauslösen. Betroffen seien die Standorte Essen, Bochum und Krefeld.

Zusätzlich zum Abschluss der laufenden Verkaufsprozesse von ThyssenKrupp Metal Forming, ThyssenKrupp Xervon sowie der Umsetzung der strategischen Partnerschaft von Abu Dhabi Mar und ThyssenKrupp Marine Systems schlägt der Vorstand dem Aufsichtsrat vor, das Automobilgeschäft stärker zu fokussieren. Dazu sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden.

- Die Veräußerung von ThyssenKrupp Waupaca im Rahmen eines Best-Owner-Konzepts. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von fast 900 Mio € und rund 3.000 Mitarbeitern Marktführer im Bereich Eisenguss in den Vereinigten Staaten.
- Die Trennung von ThyssenKrupp Tailored Blanks ebenfalls im Rahmen eines Best-Owner-Konzepts. Mit einem Umsatz von rund 600 Mio € und knapp 900 Mitarbeitern weltweit ist Tailored Blanks Systempartner im Karosserie- und Fahrzeugbau für die Automobilindustrie.
- Die Bündelung der Fahrwerk-Geschäfte der Bilstein-Gruppe und Presta Steering. Mit der Zusammenführung entsteht einer der weltweit größten Chassis-Full-Service-Provider mit etwa 2,2 Mrd € Umsatz und rund 6.500 Mitarbeitern. Für die neue Gesellschaft sollen alle Optionen, insbesondere die Einbringung in eine strategische Partnerschaft geprüft werden.
- Das klassische Federn- und Stabilisatoren-Geschäft sowie das brasilianische Automotive Systems Geschäft mit einem gemeinsamen Umsatz von knapp 700 Mio € und mehr als 3.000 Mitarbeitern sollen im Rahmen eines Best-Owner-Konzepts veräußert werden.

Darüber hinaus hat der Vorstand beschlossen, das Werkstoffgeschäft zu fokussieren und gleichzeitig die Weiterentwicklung von Stainless Global zu fördern:

- Eigenständigkeit der Aktivitäten der Business Area Stainless Global. Dafür sollen alle Optionen für eine Weiterführung der Geschäfte außerhalb des Konzerns geprüft werden. Die Business Area erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 5,9 Mrd € und beschäftigte mehr als 11.000 Mitarbeiter. Mit der Trennung von ThyssenKrupp soll der europäische Markt- und Qualitätsführer im Edelstahlgeschäft eigenständig werden. Stainless soll die Möglichkeit erhalten, seine Wettbewerbsposition mit größerer Flexibilität – auch mit Blick auf potenzielle strategische Partnerschaften – weiterzuentwickeln. Daneben entsteht mehr Spielraum für weitere strukturelle Verbesserungen und Kosteneinsparungen.

Die vom Vorstand beschlossene Fokussierung des Portfolios würde zusammen mit den bereits laufenden Desinvestitionen einen Umsatz von rund 10 Mrd € auf Basis des vorangegangenen Geschäftsjahres und rund 35.000 Mitarbeiter betreffen.