| WIRTSCHAFT |
| 31. März 2011, 12:48 Uhr | Bertelsmann AG mit Rekordergebnis in 2010 |
|
|
|
Gütersloh. Der Medienkonzern Bertelsmann hat seine zum Halbjahr angehobene Prognose von mehr als 500 Mio. Euro beim Konzernergebnis deutlich übertroffen. Das Konzernergebnis wurde im Geschäftsjahr 2010 von 35 Mio. Euro im Vorjahr auf nunmehr 656 Mio. Euro vervielfacht. Für 2011 erwartet Bertelsmann einen weiteren Anstieg beim Nettogewinn. Die Bilanz weist darüber hinaus eine kräftige Umsatzerholung sowie einen sprunghaften Anstieg auch beim Operating EBIT aus. Die operative Umsatzrendite erreichte mit 11,7 Prozent Rekordniveau. Hintergrund sind gut laufende Geschäfte in einem verbesserten konjunkturellen Umfeld sowie nachhaltig wirkende Kostenmaßnahmen.
Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, sagte: "2010, das Jahr unseres 175. Firmenjubiläums, war eines der bisher erfolgreichsten Geschäftsjahre für Bertelsmann. Wir haben die Wirtschaftskrise in kürzester Zeit überwunden und unsere Geschäfte deutlich nach vorne gebracht. Der Umsatz wächst, die Gewinne ziehen kräftig an und zentrale Kennziffern wie die Umsatzrendite oder die operative Mittelfreisetzung haben Bestwerte erreicht. Wir sind 2010 in unserer Strategie der langfristigen Wertsteigerung einen großen Schritt vorangekommen. Die Verschuldung haben wir dank der erfreulichen Geschäftsentwicklung so weit reduziert, dass jetzt signifikante Mittel für Investitionen frei werden. Wir werden diese Mittel zur Stärkung der Kerngeschäfte, zur Weiterentwicklung des Portfolios und zur Expansion in neue Wachstumsfelder einsetzen. Beispielsweise, indem wir Geschäfte nahe an den bestehenden Aktivitäten ausbauen - so etwa unsere breit gefächerten Digitalangebote, E-Commerce-Services für Firmenkunden oder Corporate Publishing. Wir werden weiter in Wachstumsregionen wie China und Indien vordringen, und wir werden ganz neue Geschäfte aufbauen. Der dynamische Aufstieg unseres Musikrechtegeschäfts BMG zeigt, wie Expansion gelingen kann, wenn Erfahrung, ein klares Konzept und ein attraktiver Markt zusammenkommen."
Eine starke operative Performance wiesen 2010 vor allem die europäische Entertainmentgruppe RTL Group sowie die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr auf, die maßgeblich von der anziehenden Werbekonjunktur profitierten und ihre Geschäfte in allen Kernbereichen einschließlich der Digitalangebote weiter ausbauten. Die RTL Group steigerte ihren Umsatz im Berichtszeitraum deutlich, das Operating EBIT erreichte einen historischen Bestwert. Auch Gruner + Jahr und die Publikumsverlagsgruppe Random House, die einen E-Book-Boom erlebte und mit ihrem Titelportfolio die Bestsellerlisten dominierte, legten gegenüber dem Vorjahr sowohl beim Umsatz als auch beim Operating EBIT zu. Gruner + Jahr übertraf beim Gewinn sogar das Vorkrisenniveau deutlich. Der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato verzeichnete 2010 eine Erholung in den Druckgeschäften und Wachstum mit digitalen Dienstleistungen. Arvato überschritt beim Umsatz erstmals die Fünf-Milliarden-Euro- Grenze und hielt das operative Ergebnis stabil. Die Direct Group verzeichnete mit ihren Club- und Buchhandelsgeschäften nach dem Rückzug aus mehreren Ländern einen planmäßigen Umsatzrückgang; auch das Operating EBIT gab nach. Die deutschsprachigen Clubgeschäfte erzielten ein positives Ergebnis.
Bertelsmann gelang es 2010 in verschiedenen Branchen und Regionen, Marktanteile hinzuzugewinnen, so etwa im deutschen Zuschauermarkt, auf den TV-Werbemärkten in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, bei gedruckten und elektronischen Büchern in den USA, Großbritannien und Deutschland sowie im Druckgeschäft.
Der Konzernumsatz der fortgeführten Aktivitäten stieg 2010 um 4,5 Prozent auf 15,8 Mrd. Euro (Vj. auf vergleichbarer Basis: 15,1 Mrd. Euro). Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating EBIT) legte um knapp ein Drittel auf 1.852 Mio. Euro zu (Vj.: 1.438 Mio. Euro). Die Umsatzrendite erhöhte sich damit auf 11,7 Prozent (Vj.: 9,5 Prozent). Die Sondereinflüsse reduzierten sich im Berichtszeitraum auf -356 Mio. Euro (Vj: -545 Mio. Euro). Unter dem Strich verblieb ein um 621 Mio. Euro auf 656 Mio. Euro gesteigertes Konzernergebnis.
Bertelsmann-CEO Ostrowski: "Die guten Zahlen sind eine Teamleistung, und in bester partnerschaftlicher Unternehmenstradition werden wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesem Erfolg beteiligen. Bertelsmann und seine Unternehmen werden für das abgelaufene Geschäftsjahr weltweit in Summe 118 Millionen Euro und damit mehr als je zuvor als Gewinn- und Erfolgsbeteiligung ausschütten - ein Rekord, der mich besonders froh stimmt."
Die strikte Cash-Orientierung von Bertelsmann führte dazu, dass der Operating Free Cash Flow im Berichtszeitraum mit 2,1 Mrd. Euro (Vj.: 1,8 Mrd. Euro) auf Rekordniveau stieg. Dies trug zu einer Reduzierung der Nettofinanzschulden auf 1,9 Mrd. Euro (Vj.: 2,8 Mrd. Euro) bei. Die weiter gefassten wirtschaftlichen Schulden beliefen sich auf 4,9 Mrd. Euro und waren damit 1,1 Mrd. Euro geringer als im Vorjahr.
Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe: "Die hohe operative Mittelfreisetzung hat es uns ermöglicht, die Verbindlichkeiten so weit zurückzuführen, dass wir die neue, selbstdefinierte Höchstgrenze von 2,5 für den Leverage Factor Ende 2010 mit 2,3 bereits unterschritten haben. Nettofinanzschulden von 1,9 Mrd. Euro stehen einem Operating EBITDA von 2,4 Mrd. Euro gegenüber. Anders gesagt: Das Thema Verschuldung ist für uns abgehakt. Bertelsmann ist aus finanzieller Sicht wieder bereit zu investieren."
Ende Mai 2011 werden für den Genussschein 2001 gemäß den Genussscheinbedingungen erneut 15 Prozent auf den Grundbetrag ausgeschüttet. Die Ausschüttung für den "alten" Genussschein aus dem Jahr 1992 wird bei 7,23 Prozent (Vj. 3,97 Prozent) liegen.