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WIRTSCHAFT
20. Dezember 2010, 14:55 Uhr
Auf Spurensuche in Byzanz PDF Drucken E-Mail

Manchmal können Beamte richtig einfallsreich sein: Zum Beispiel, als die Fahnder der Staatsanwaltschaft Köln einen Namen für die Ermittlungsgruppe rund um den Oppenheim-Esch-Immobilienfonds gesucht haben. Die Einheit nannte sich „Byzanz“, in Anspielung auf „byzantinische Verhältnisse“, die man anscheinend bei den Verdächtigen unterstellt.
Ein Beitrag von Frank Überall

Inspiriert wurden die Ermittler womöglich durch eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle, die bis Juni dieses Jahres „Pracht und Alltag“ der griechischen Stadt illustrierte. Während einst Perlen, Marmor und luxuriöse Stoffe das Tagesgeschehen prunkvoll ausgestalteten, widmen sich die rheinischen Beamten jetzt eher modernen Annehmlichkeiten: Geld und gute Gaben und ein verworrenes Netzwerk einflussreicher Manager. Es geht um einen mutmaßlichen Finanz-Sumpf, der sowohl Großprojekte im Rheinland als auch die Pleite des Essener Warenhaus-Konzerns Arcancor tangiert. Die umfangreichen Ermittlungen der Sondergruppe „Byzanz“ beziehen sich unter anderem auf den Verdacht der Korruption und der Steuerhinterziehung.

Unter den Beschuldigten sind klangvolle Namen. Thomas Middelhoff, ehemaliger Top-Manager des Arcandor-Konzerns, zu dem Karstadt und Quelle gehörten; Gustav Adolf Schröder, der frühere Chef der Sparkasse Köln-Bonn und spätere Vorstand der Ruhrkohle-Stiftung; und natürlich Josef Esch, gelernter Maurer und Selfmade-Immobilienmagnat aus Troisdorf bei Köln. Sie alle erhielten im Oktober Besuch von den Sonderermittlern: Auf der Suche nach Unterlagen, die byzantinische Gier belegen. Unterstützt wurden die Kölner Fahnder dabei vom Landeskriminalamt NRW und von der Bochumer Staatsanwaltschaft. Letztere versucht, Licht ins Dunkel um die Insolvenz bei Arcandor zu bringen.Was genau den Beschuldigten vorgeworfen wird, mutet an wie ein Staatsgeheimnis. Weil auch steuerliche Aspekte berührt sind, ziehen sich die Ermittler bei offiziellen Auskünften auf das Steuergeheimnis zurück. Unter anderem saß ein Steuerberater nach der Razzia in Untersuchungshaft. Wer weiß, was man dieser Berufsgruppe zuweilen alles anvertraut, kann ermessen, welchen Keil das in das engmaschige Beziehungsgeflecht treiben könnte.

Was so dekadent anmuten könnte, dass man „byzantinische Verhältnisse“ unterstellt, erschließt sich aus vielen Detail-Geschichten, die inzwischen aus dem Lebens- und Geschäftsstil der Beschuldigten bekannt geworden sind. So soll Thomas Middelhoff die private Fluggesellschaft des Oppenheim-Esch-Fonds selbst für kürzeste Reisen genutzt haben. Die Preise, die Arcandor dafür in Rechnung gestellt wurden, dürften jetzt Gegenstand der Ermittlungen sein. Auch ein Fahrzeug, das Josef Esch mutmaßlich für die Tochter von Middelhoff zugelassen hatte, spielt eine Rolle.

Undurchdringlich wird der Dschungel der Vorwürfe vor allem, weil Josef Esch offenbar auch Vermögensverwalter für viele Superreiche war. So könnte es durchaus sein, dass es bei den erwähnten Vorteilen um korrekt bezahlte Dienstleistungen eines Mega-Butlers ging. Seinen vermögenden Kunden allen Komfort der Welt zu bieten, gehörte auch zum Geschäftskonzept des umtriebigen Bau- und Finanzierungsexperten. Mit seinen Immobilienfonds sammelte er professionell Geld für Investitionen ein. Und zwar im gleichen Klientel, das er zuweilen privat als Vermögensverwalter umsorgte.

Dass es dabei zu Interessenkonflikten kommen könnte, wurde anscheinend ausgeblendet. Denn Arcandor war auch „Kunde“ bei Oppenheim-Esch. Einige Immobilien gehörten dem Fonds, und die Ermittler gehen der Frage nach, ob Thomas Middelhoff zwischen seinen Rollen als privat Wohlhabender und als Manager eines finanziell klammen Unternehmens unterscheiden konnte. Im Bereich der Kommunalpolitik geht es ebenfalls um die Gefahr der Nähe: Oppenheim-Esch bekam von der Stadt Köln den Auftrag, neue Messehallen zu errichten. Der Europäische Gerichtshof monierte, dass es keine ausreichende Ausschreibung des Deals gegeben hatte. Nun müssen die Verträge zwangsweise aufgelöst werden. Wer da wem welche Vorteile verschaffen wollte, ist Gegenstand der andauernden Ermittlungen.

Alle Vorwürfe werden von den Betroffenen vehement bestritten. Die Razzien seien eine „Show-Veranstaltung“ gewesen, heißt es. Man fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Im Dickicht der Beziehungen sitzt Josef Esch wie eine Spinne im Netz. Das Bundeskriminalamt hatte bereits beim Bau der Kölnarena und des benachbarten Technischen Rathauses einen vagen Verdacht, es könne nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Das entsprechende Verfahren wurde aber nach ergebnislosen Ermittlungen eingestellt. Diesmal haben sich die beteiligten Behörden weit aus dem Fenster gelehnt: Die Durchsuchungen machten bundesweit Schlagzeilen. Es wurde unglaublich viel Material sichergestellt, deshalb wird die Auswertung wohl Monate dauern. Es geht um die Frage, ob die Steuerzahler geschädigt wurden. Aber auch darum, ob Luxus-Ausgaben den Arcandor-Konzern mit in den finanziellen Abgrund getrieben haben.

Interessant sind vor diesem Hintergrund auch die personellen Verstrickungen hinter den Kulissen. Verhandlungspartner der Stadt Köln, die die umstrittenen Verträge zu den neuen Messehallen jetzt auslösen muss, ist ein alter Bekannter: Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) muss mit seinem Parteifreund, dem ehemaligen Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier, verhandeln. Der wiederum war in die öffentliche Kritik geraten, weil er direkt vom Chefsessel im Kölner Rathaus zum Oppenheim-Esch-Fonds gewechselt war. Bei der neuen Firma von Thomas Middelhoff dürften die Schlagzeilen der Razzien auch kaum Freude auslösen. Unter dem Titel BLM Partners wurde in London eine Beratungsfirma gegründet, die neben Middelhoff auch den früheren NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement als wesentliche Figur ausweist. Middelhoffs deutsches BLM-Büro in Köln wurde von den Fahndern ebenfalls durchsucht. Das Bankhaus Oppenheim, das an den Esch-Fonds beteiligt war, hat wiederum längst seine Selbstständigkeit verloren. Wegen finanziellen Schieflage wurden die meisten Teile an die Deutsche Bank verkauft. Es wird gemunkelt, dass gerade die teuren Kölner Großprojekte an den Geldproblemen der traditionsreichen Privatbank mit schuld waren. Wegen der vielen Negativ-Berichte hatte zumindest der Ruf des Instituts für besonders reiche Kunden dramatisch gelitten.

 

Kommentare  

 
#1 2010-12-22 13:04
Dass Herr Überall Byzanz in Griechenland verortet, zeugt von einem Bildungsni-veau, das insofern gut mit dem dieser Collage – denn mehr ist es nicht – korrespondiert.
Neben anderen inhaltlichen Mängeln sind insbesondere zwei gravierende Unwahrheiten korrekturbedürf tig:
1. Es ist falsch, dass „Kölns Oberbürgermeist er Jürgen Roters (SPD)…. mit seinem Parteifreund, dem ehemaligen Oberstadtdirekt or Lothar Ruschmeier verhandeln“ muss. Tatsächlich war und ist Herr Ruschmeier an den Verhandlungen persönlich nicht beteiligt. Auch Oberbürgermeist er Roters führt die Verhandlungen nicht persönlich.
2. hat das Bundeskriminala mt seine Ermittlungen zur Kölnarena und dem Tech-nischen Rathaus keineswegs ergebnislos abgeschlossen – tatsächlich kamen die Beamten zu dem Ergebnis, dass dieses Projekt die Stadt Köln 400 bis 500 Millionen DM mehr gekostet hätte, wenn sie es über einen Kommunalkredit selbst realisiert hätte. Dies geht aus dem Ermittlungsberi cht des BKA eindeutig hervor.
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#2 2010-12-23 23:12
Hallo Herr Dix,
bevor Sie das Bildungsniveau von Autoren bewerten, empfehle ich Ihnen
a) eigene Bildungslücken zu schliessen (http://de.wikipedia.org/wiki/Byzantion)
und
b) lesen im Kontext zu lernen.
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#3 2010-12-27 10:31
1. war mir durchaus bekannt, dass Byzanz ursprünglich eine griechische Kolonie war. In einem historischen Fachdiskurs wäre der Hinweis insofern angemessen. So aber ist er irreführend und einfach dummes Zeug - Byzanz hat seine geschichtliche Bedeutung nämlich keinesfalls als griechische Stadt erlangt.
2. Meinten Sie sicherlich "lernen im Kontext zu lesen". Vielleicht sollten Sie also erst einmal lernen, im Kontext zu schreiben.
3. Haben Sie den Kontext (siehe 1.) völlig durcheinanderge schmissen.
4. "ein geneigter Leser"? Dass ich nicht lache...
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