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Katholische Hotline für missbrauchte Heimkinder PDF Drucken E-Mail
von Klaus Kelle

Köln. Die Zustände in katholischen Kinderheimen waren in den 50er und 60er Jahren für viele Kinder eine Qual, deren Folgen sie ihr ganzes späteres Leben verfolgt. Nach 50 Jahren stellt sich die Katholische Kirche in Deutschland endlich ihrer Verantwortung - mit einer Telefon-Hotline. Ob das ausreicht, darf getrost bezweifelt werden.

Den Vertretern der katholischen Kirche war ihr Unwohlsein bei diesem Thema heute deutlich anzusehen. Im Kölner Domforum hatte sie zu einer Pressekonferenz geladen, um die neue Hotline für ehemalige Heimkinder vorzustellen. "Wir bedauern zutiefst, dass Kinder seelische und körperliche Gewalt in unseren Einrichtungen erlitten haben", sagte Pater Dr. Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, und kündigte an, dass sämtliche Akten über diese Vorkommnisse gesichert würden, um den Betroffenen Einsicht in ihre Unterlagen zu ermöglichen. Die Katholische Kirche wolle sich den Vorwürfen der Opfer von damals stellen. Auch Schwester Sara Böhmer, Generalpriorin der Dominikanerinnen und Mitglied der Deutschen Ordensobernkonferenz, kündigte an, den Opfern Beratung, Seelsorge und psychiatrische Hilfe anbieten zu wollen.

Ob die darauf allerdings großen Wert legen, bleibt zweifelhaft. Hilfe ja, aber ein Dialog mit der katholischen Kirche? Nein, danke! So ähnlich sagte das die Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder (450 Mitglieder), Monika Tschapek-Güntner, jüngst im Interview mit dem WDR. Wörtlich äußerte sie sich über die Hotline: "Sie ist ein Tropfen auf den heißen Stein, und meines Erachtens ist sie nicht ehrlich gemeint. Ich denke, die Kirche will damit an Betroffene kommen, die sie dann in Fallstudien einbinden kann." Sie glaube, sagte Tschapek-Güntner, dass sich nur wenige Betroffene über die Hotline, die zunächst für ein Jahr eingerichtet wird, melden werden.

Im Internet sind unterdessen erschütternde Schicksale ehemaliger Heimkinder zu lesen, etwa von der damals 15-jährigen Gisela Nurthen, die in einem Heim in Dortmund untergebracht war. Zwei Jahre lang war das junge Mädchen mitten in Dortmund eine Gefangene, ohnmächtig gegenüber einem perfiden Repressionssystem frommer Schwestern, mit Prügel gezwungen zu Gebet, Arbeit und Schweigen.
--> Link zum Bericht

Es war die Dominikanerin Sara Böhmer, die schließlich einen von zwei entscheidenden Punkten streifte. Sie bedauerte, dass "gerade eine Institution, die Liebe weitergeben möchte, Vertrauen missbraucht hat". Wie das überhaupt geschehen konnte, blieb ebenso offen, wie die Frage, weshalb es 50 Jahre dauerte, bis sich die Kirche ihrer Verantwortung stellte. Und noch ein Thema wurde weitgehend vermieden, und das heißt Schadenersatz. Im katholischen Irland wurden in den vergangenen Jahren mehr als 12.000 Missbrauchsfälle aus Heimen bekannt. Dort zahlte die Kirche bisher bereits mehr als 130 Millionen Euro Schadenersatz. Tendenz steigend....

Die Hotline ist Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 18 Uhr unter 0180-4100 400 (22 ct. pro Anruf) zu erreichen.

 

Kommentare  

 
#1 2010-01-12 16:21
Es ist entsetzlich, was damals in den christlichen Einrichtungen (auch evangelischen) passiert ist. darauf jetzt mit einer Hotline und einem Dialogangebot zu reagieren, ist ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre.
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