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von Klaus Kelle
Wenn ein Besucher in der Zentrale des RWE-Konzerns in Essen versehentlich den Namen Shi Agassi erwähnt, dann verfinstern sich die Mienen ringsherum. Der israelische Geschäftsmann und frühere SAP-Vorstand möchte mit seinem neuen Projekt Better Place zum Vorreiter einer globalen Revolution im Automarkt werden: der Umstellung vom Verbrennungs- zu Elektromotoren beim Automobil. Und dazu sucht der umtriebige und wohl auch kapitalstarke Entrepreneur Ballungszentren weltweit, in denen er seine Ladestationen aufbauen kann. Tatsächlich hatte Agassi seine Augen vor einiger Zeit auch schon einmal auf das Ruhrgebiet gerichtet, doch hier wartete so richtig Niemand auf ihn.
Ende August eröffnete RWE in der Landeshauptstadt Düsseldorf seine ersten „Tankstellen der Zukunft“, eine davon lediglich provisorisch – im Rahmen einer bundesweit angelegten Roadshow – am Tonhallenufer, eine in der Garage des noblen Hotels Nikko, und bald kommt eine weitere am Fürstenwall hinzu. Gemeinsam mit dem Parkgaragen-Betreiber Apcoa soll in Düsseldorf und darüber hinaus ein dichtes Netz solcher Stromzapfsäulen entstehen. Die Landeshauptstadt entwickelt sich damit wohl zu einem Kampfplatz der besonderen Art, hatten doch erst wenige Tage zuvor die heimischen Stadtwerke, Tochter eines anderen Energieriesen namens EnBW, ihre erste öffentliche Strom-Tankstelle im Parkhaus am Carlsplatz in Betrieb genommen und weitere 45 für die kommenden zwei Jahre angekündigt.
In Essen gibt es Stromzapfstellen, in Dortmund soll ein knappes Dutzend entstehen. Grundsätzlich könnte so ein E-Auto übrigens auch an einer ganz normalen Steckdose in der heimischen Garage aufgeladen werden. Das würde aber für eine Batterie rund acht Stunden dauern, mehr als doppelt so lange wie an der Zapfsäule.
Alles ein Irrsinn, könnte man nun meinen, denn wo fährt schon ein Elektroauto? Doch die Konzerne denken langfristiger – ebenso wie die Politik. Und so ließen es sich weder RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann noch NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) nehmen, beim Start der RWE-Stromtanke persönlich am Tonhallenufer zu erscheinen. Und die Ministerin, nicht gerade fürs Zaudern bekannt, versprach: „Nordrhein-Westfalen wird die erste große Modellregion für Elektromobilität.“
Zu dem Szenario passt, dass auch die Bundesregierung in diesen (Wahlkampf-)Tagen das Thema Elektroautos entdeckt hat. Mit einem sogenannten „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ will sie Deutschland zum Elektroauto-Land Nr. 1 machen. Bis 2020, so sagt Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) voraus, werden in Deutschland mehr als eine Million Elektroautos unterwegs sein (davon 250.000 in NRW). Doch wer nach finanziellen Anreizen für die potentiellen Autokäufer sucht, sucht hier vergeblich – anders als etwa in den USA oder Japan, also in Ländern, in denen auch die technische Entwicklung in puncto Antriebssysteme nach Expertenmeinung weiter ist als hierzulande.
Als Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) im Februar 2009 in Detroit auftauchte, um mit Rick Wagoner, damals mächtiger Boss des Autogiganten General Motors, über die Zukunft von Opel zu verhandeln, bekam er zuvor eine gute Stunde lang den neuen US-Hoffnungsträger am Elektroauto-Himmel präsentiert: den Chevrolet Volt. Schnittig sieht der aus, doch das Grundproblem aller Elektroautos bleibt ungelöst: die vergleichsweise geringe Reichweite. Wenig mehr als 60 Kilometer legt so ein batteriebetriebener Volt zurück, bevor über einen kleinen Verbrennungsmotor (!) die Akkus wieder geladen werden müssen. Immerhin: Die deutsche Version des Volt – der Opel Ampera – soll ab 2011 dem Markt zur Verfügung stehen. Und natürlich arbeiten auch die Forschungsabteilungen der anderen großen Automobilhersteller in Deutschland mit Hochdruck an diesem Zukunftsthema. Denn eins ist kaum zu bezweifeln: Elektroautos werden irgendwann in einigen Jahren die Straßen dominieren. Knapper werdende Öl-Ressourcen und steigende Benzinpreise sind der ökonomische Aspekt. Doch immer wichtiger wird auch der ökologische, sind doch die angestrebten Elektrofahrzeuge umweltverträglicher und wesentlich leiser.  
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