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Der Name Schumag Holding ist verbrannt
Über die Pleite der Investorengesellschaft und das Schicksal eines Unternehmens, das eigentlich gut funktioniert hat. von Prof. Sebastian Krause
Das Hauen und Stechen um die die Zukunft der Schumag Holding GmbH geht weiter. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im April 2009 sollte die erste Gläubigerversammlung am 2. Juli Klarheit über den Fortgang des Aachener Traditionsunternehmens Schumag AG bringen. Doch während Insolvenzverwalter Bernd Depping aus Essen versucht, die korrekten Besitzverhältnisse der Aktien zu ermitteln und einen neuen Investor zu finden, drängen einige Anteilseigner darauf, die Wertpapiere schnellstmöglich zu verkaufen. Selbst über die Person des erfahrenen und kompetenten Insolvenzverwalters streiten die gegnerischen Parteien. Depping selbst lässt sich durch juristische Spitzfindigkeiten nicht verunsichern und ist weiter bemüht, den Schaden für die Schumag AG so gering wie möglich zu halten. Fest steht: Die Schumag Holding als Investor des aus der Babcock-Borsig-Insolvenz gekauften Unternehmens Schumag AG ist gescheitert. Doch der Grund liegt nicht in unternehmerischen Fehlentscheidungen, denn die börsennotierte Schumag AG an sich ist heute gut aufgestellt. Verantwortlich für diese Insolvenz ist vielmehr die Gier der Geldgeber nach einem schnellen Profit.
Als die Schumag Holding GmbH 2007 von der griechischen Familie Kazinakis gegründet wurde, um mit dem (geliehenen) Geld zweier Hedgefonds die Schumag AG für 41 Millionen Euro zu erwerben, schien die Zukunft des 1830 als Nadelmanufaktur gegründeten Unternehmens gerettet. Galt es doch einst als Perle der 2002 insolvent gegangenen Babcock Borsig AG.

Nur anderthalb Jahre später zeigte sich, dass sämtliche Erwartungen übertroffen worden waren: Die Maschinenbausparte der Schumag AG mit über 400 Mitarbeitern konnte für 40 Millionen Euro an die Düsseldorfer Unternehmensgruppe SMS weiterverkauft werden. Der Vorstand war auf dem richtigen Weg. Er hatte aus einem „lahmenden Gaul“ innerhalb kürzester Zeit ein erfolgreiches Unternehmen gemacht und wollte sich nun ganz auf die Präzisionsmechanik-Sparte konzentrieren. Das neu gewonnene Geld aus dem Verkauf wollte man reinvestieren, unter anderem um konkurrierende Unternehmen mit Zukunftstechnologie zu erwerben. Dies sollte die Schumag AG langfristig wieder dort positionieren, wo sie vor dem Verkauf der Maschinenbausparte schon einmal gestanden hatte.
Doch den Geldgebern ging das offenbar nicht schnell genug. Der britische Hedgefonds Concordia, zu dessen Gunsten rund 80 Prozent der Anteile verpfändet sind, klagte schon Ende 2008 darüber, dass die Kazinakis-Familie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkäme. Concordia drängte auf eine kurzfristige Rückzahlung der Kredite, obwohl die langfristige Finanzierung aus unternehmerischer Sicht zwingend geboten war, um die zuvor definierten Ziele erreichen zu können. Weil die Familie Kazinakis sich diesem Ansinnen widersetzte, sollten die Schumag-Aktien zu Beginn des Jahres öffentlichkeitswirksam zwangsversteigert werden. Das konnte die Kazinakis-Familie jedoch gerichtlich verhindern.
Im Januar war das Chaos dann endgültig perfekt, als ein Aufsichtsratsmitglied behauptete, er habe mit einer seiner Beteiligungsgesellschaften den 80-Prozent-Anteil von Concordia übernommen und sei damit Mehrheitseigentümer der Schumag AG. Der Familie Kazinakis gelang es, diesen Verkauf zu unterbinden. Seitdem verklagen sich die beiden Kontrahenten gegenseitig.
Eine unkontrollierte Übernahme hätte jedoch unmittelbare Auswirkungen für die Schumag AG. Sie würde ihren Verlustvortrag aus der Vergangenheit verlieren. Dies wiederum würde sich auf den Gewinn und die Liquidität des Unternehmens unmittelbar auswirken.
Über die Eigentumsverhältnisse herrscht bis heute Unklarheit. Die Aktien liegen nach wie vor auf einem Depot der Sparkasse Krefeld. Es ist zu erwarten, dass die Aktien erneut von einer fondsgestützten Gesellschaft gekauft werden. Zu erwarten ist aber auch, dass der Name Schumag Holding nicht fortgeführt wird, gilt er doch im globalen Dorf, in dem sich jede Information in weiten Kreisen schnell verbreitet, als verbrannt.
Immerhin: Auf das operative Geschäft der Schumag AG hat das Insolvenzverfahren keine Auswirkung. Doch auch wenn das Management seit dem Verkauf 2007 unbestritten sehr gute Arbeit leistet – erst im Februar 2009 hat das amerikanische Unternehmen Caterpillar nach eigenen Angaben die Schumag AG als einen der 50 besten Zulieferer weltweit ausgezeichnet – leidet das Unternehmen unter den negativen Schlagzeilen. Irritationen bei Kunden, Banken, Kreditversicherungen sind programmiert, gerade in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise. Mit Unverständnis wird auf das Chaos innerhalb der Holding und auch auf das Insolvenzverfahren reagiert. Denn das Eigenkapital der Schumag AG ist bekannt: Das börsennotierte Unternehmen verfügt über knapp 40 Millionen Euro bei einer Eigenkapitalquote von 40 Prozent und bewegt sich damit im Branchendurchschnitt auf hohem Niveau.
Trotzdem: Von den aktuell rund 600 Arbeitsstellen der Schumag AG werden ca. 200 gestrichen. Aufgrund der Wirtschaftskrise, die einen Umsatzrückgang in dieser Branche von fast 60 Prozent zur Folge hat, muss das Unternehmen kräftig sparen. Vor allem aber muss Ruhe einkehren. Das geschieht spätestens dann, wenn sich ein neuer Kapitalgeber findet, der dem Vorstand die Möglichkeit bietet, das volle Potenzial des Unternehmens auszuschöpfen. |