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Ein Hort der Kompetenz

Im Ruhrgebiet soll ein Gesundheitscampus entstehen. Vorbild sind die National Institutes of Health (NIH) in den USA. Neun Städte im Revier haben sich beworben, entschieden wird am 12. Mai.

NIH

Wenn die Rede auf den Vergleich mit dem NIH kommt, winkt man im nordrhein- westfälischen Gesundheitsministerium bescheiden ab. Eine Einrichtung wie das weltbekannte NIH in Bethesda, Maryland, das wäre doch nun etwas sehr hoch gegriffen. Aber gesagt ist gesagt, und wozu gibt es Archive? So erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann anlässlich eines Frühstücks mit Journalisten im Juni 2008 zum Thema Gesundheitscampus: „Wir nehmen uns dabei ein Beispiel an den berühmten National Institutes of Health in den Vereinigten Staaten. Aber wir kopieren sie nicht.“ Wie auch, hat doch das NIH ein jährliches Budget von umgerechnet mehr als 25 Milliarden Euro, mehr als ein Viertel der amerikanischen Gesamtausgaben für die biomedizinische Forschung. 1987 gegründet, forschen und arbeiten in 27 Instituten mit zusammen 75 Gebäuden gut 18.000 Mitarbeiter. Doch Nordrhein-Westfalen muss sich ja auch nicht mit den USA vergleichen. Höchst ambitioniert ist das geplante Projekt allemal. Der Gesundheitscampus soll ein echtes medizinisches Kompetenzzentrum werden. Das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, das bislang auf Bielefeld, Münster und Düsseldorf verteilt ist, soll hier konzentriert werden. Geplant ist, ein Europäisches Proteinforschungszentrum (PURE) auf dem Campus zu schaffen, dazu eine weitere Einrichtung der medizinischen Grundlagenforschung, etwa im Bereich der Stammzellenforschung. Auch eine in Deutschland einzigartige Fachhochschule für Gesundheitsberufe mit 1000 Studienplätzen wird in staatlicher Trägerschaft entstehen. 75 Millionen Euro jährliches Budget soll der Gesundheitscampus zur Verfügung haben, zwei Drittel davon aus Landesmitteln. Und 500 neue Arbeitsplätze werden entstehen. Kein Wunder also, dass das Interesse der Ruhr-Kommunen groß ist Insgesamt neu Städte haben den Hut in den Ring geworfen: Bochum, Castrop- Rauxel, Dinslaken, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Oberhausen und Unna. Gesundheitsminister Laumann ist begeistert: „Die eingereichten Unterlagen zeigen sehr deutlich, wie engagiert und kreativ die einzelnen Städte mit den Anforderungen für den Campus umgegangen sind.“ Und diese Anforderungen sind erheblich: Gesucht wird ein Areal von 25.000 Quadratmetern, möglichst bereits mit geeigneten Gebäuden. Außerdem in räumlicher Nähe Ausbildungsplätze für Studierende der künftigen Fachhochschule für Gesundheitsberufe. Gewünscht sind Synergieeffekte am Standort, eine hervorragende Erschließungssituation, die möglichst optimale Verkehrsanbindung und – natürlich – weiteres Geld von Kommunen oder Dritten. Die Entscheidung bereitet eine hochkarätige, fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. med. Karl Max Einhäupl vor. Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité war zwischen 2001 und 2006 Vorsitzender des Wissenschaftsrats, der die Bundesregierung in Fragen der Hochschulentwicklung, der Wissenschaft und Forschung beriet. Für den Bereich „Bauen und Architektur“ ist der Darmstädter Prof. Manfred Hegger dabei. Außerdem in der Jury: Prof. Dr. Dr. Ulrike Beisiegel, Jean Michael Otte und Prof. Dr. Annette Probst. Ihr Vorschlag wird die Basis für den entscheidenden Beschluss der Landesregierung sein. „Mit dem Gesundheitscampus bündeln wir unsere Kräfte in der Gesundheitswirtschaft“, verspricht Laumann. Wo aber diese Bündelung nun stattfinden soll, stößt nicht überall in Nordrhein- Westfalen auf Begeisterung. Von einer „unangebrachten Bevorzugung des Ruhrgebiets“ wurde in den anderen Regionen gemunkelt. Und besonders knurrig klang die Kritik aus Aachen. Zumindest eine Beteiligung an dem Projekt wollte man in der Stadt, die in Sachen Medizintechnik in der ersten Liga spielt, und in der es eine im Zuge der Exzellenzinitiative ausgezeichnete Elite-Universität gibt. „Wir werden für das Projekt kämpfen“, drohte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden noch Mitte 2008, doch die Würfel fielen dennoch pro Ruhrgebiet. Um den Zuschlag zu erhalten, offerieren die Städte im Wettbewerb alles, was sie zu bieten haben. So schlägt Bochum das Areal des Campus-West samt Hochhaus vor. Außerdem soll es zehn Millionen Euro von der Stadt geben. „Das sollen uns die anderen erst einmal nachmachen“, wird Stadtdirektor Paul Aschenbrenner (60) zitiert. Und Essen hat gar eine eigene Expertengruppe engagiert. Hier wuchert man mit einem anderen Pfund, dem Uni-Klinikum mit Tumorzentrum, Transplantations-, Herz- und Kopfschmerzzentrum. Doch auch die „Kleinen“ haben gute Argumente. So bietet Dinslaken das Areal nebst denkmalgeschützter Gebäude der ehemaligen Zeche Lohberg an, preist die Nähe zu den Niederlanden und seine Brückenfunktion zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet. Eine Übergangslösung für die geplante FH könnte das Gebäude der auslaufenden „Hauptschule Glückauf“ sein.