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Durchstarten, wenn die Konjunktur anzieht

Bundeskanzlerin Angela Merkel betont bei ihren öffentlichen Auftritten stets, dass jede Krise auch Chancen eröffnet. Viele Unternehmen zeigen jedoch eine andere Reaktion. Sie zögern mit neuen Investitionen, stoppen Forschungsprojekte und entlassen Personal. Das NRW-Innovationsministerium will nun gegensteuern.


Junge Forscher

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sind in der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation verunsichert. Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart (FDP) sieht aber gerade für diese Unternehmen den Schlüssel zur Bewältigung der Krise in Investitionen in Forschung, Entwicklung und Innovationen. Statt den bisherigen Status Quo der Unternehmen mit staatlicher Hilfe künstlich aufrecht zu halten, fordert Pinkwart ein grundsätzliches Umdenken: „Wer nach der Krise vorne sein will, darf jetzt nicht kurzsichtig agieren. Nach diesem Abschwung wird das Land ein anderes sein.“ Dann – so der Minister gegenüber NRW.jetzt – werden sich diejenigen Regionen in der nationalen und internationalen Konkurrenz behaupteten, die Antworten auf technologische Zukunftsfragen und Lösungen gefunden haben.

Um den Mittelstand dabei zu unterstützen, auch in der Krise in die Forschung und Entwicklung innovativer Produkte und Herstellungsverfahren zu investieren, wurde jetzt das Programm „Mittelstand.innovativ!“ gestartet. Damit soll erreicht werden, dass Wirtschaft und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen Synergien schaffen und gemeinsam Innovationen entwickeln. Die Unternehmen sollen vor allem von der dichtesten Hochschullandschaft Europas und ihrer Forschung profitieren – und umgekehrt die Hochschulen von dem praktischen Wissen der Unternehmen.

Im Kern besteht das Wachstumspaket aus drei Bestandteilen:

  1. Mit sogenannten Innovationsgutscheinen sollen sich innovative Unternehmen Know-How aus der Hochschulforschung einkaufen können.
  2. Mit Innovationsdarlehen wird die Möglichkeit geschaffen, kurzfristig verbilligte Kredite für die Entwicklung neuer Produkte und Herstellungsverfahren zu erhalten.
  3. Das Land bezuschusst die Einstellung von Hochschulabsolventen, sogenannten Innovationsassistenten, die Unternehmen gezielt im Bereich von Forschung und Entwicklung verstärken sollen.

Für die verschiedenen Maßnahmen werden bis 2012 insgesamt 50 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bereitgestellt. Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK-Vereinigung, begrüßt die Innovationsfördermittel der Landesregierung als wichtigen Schritt aus der Krise: „Passgenaue Innovationsförderung hilft dem Mittelstand gerade jetzt. Finanzierung, Kooperation und Fachkräfte sind für KMU die Schlüssel zum Erfolg im Innovationsgeschäft.“ Die IHK stellt bereits jetzt große Zustimmung der mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen zum Förderprogramm fest.

Bereits zu Beginn der 90er Jahre erlebte Deutschland eine Rezession, wenn auch in abgeschwächter Form. Damals hatten die Unternehmen auf die Krise reagiert, indem sie massiv Personal abbauten. Dieser Fehler dürfe sich heute nicht wiederholen, sagt Pinkwart: „In dieser Situation die Köpfe zu entlassen, die Innovationen nicht nur denken, sondern diese auch entwickeln und zur Marktreife bringen, wäre ein fatales Signal. Wir müssen jetzt das Know-How entwickeln, das es uns ermöglicht durchzustarten, wenn die Konjunktur wieder anzieht.“

Dass dieses innovative Potenzial in Nordrhein-Westfalen vorhanden ist, zeigt die Entwicklung der Studentenzahlen. Im vergangenen Wintersemester haben 71.300 junge Leute ein Studium in NRW begonnen. So viele wie noch niemals zuvor. Auch in den naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen stieg die Studienanfängerzahl an, im Bereich Maschinenbau/Verfahrenstechnik beispielsweise um 20,4 Prozent. Um weiter für naturwissenschaftlichen und technischen Nachwuchs zu werben, hat das Innovationsministerium die „Initiative Zukunft durch Innovation“ (zdi) gestartet. 25 Nachwuchsforschungszentren sollen bis 2010 landesweit entstehen, um Schüler möglichst früh für technische Fächer zu begeistern und damit den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Derzeit erreicht zdi jährlich rund 100.000 Schüler pro Jahr.

Um dieses Potenzial nun auch im Studium zu nutzen, sieht Pinkwart die Unternehmen selbst in der Pflicht. Dazu hat der Minister ein landeseigenes Stipendiensystem auf den Weg gebracht. Unternehmer können einzelnen Hochschulen gezielt Fördergelder für die Vergabe von Leistungsstipendien bereitstellen, 150 Euro pro Monat und Stipendiat. Das Land stockt diese Mittel um noch einmal 150 Euro pro Monat und Stipendiat auf. Die Unternehmen unterstützen so ihre regionale Hochschule, fördern den Nachwuchs, bauen den Kontakt zu besonders begabten Studenten auf und können auch einen großen Werbeeffekt erreichen

Ansprechpartner sind das Innovationsministerium oder die Hochschulen in NRW, die Kontingente für diese Stipendien bereithalten. Die FH Köln geht als gutes Beispiel voran: sie hat innerhalb kürzester Zeit mit Unterstützung der lokalen Wirtschaft 51 Stipendien geschaffen.

Hier gibt es Geld für Ihr Forschungsprojekt

NRW.Innovationsdarlehen
Adressaten: Mittelständische Unternehmen, die in innovative Produkte und Verfahren inves-tieren wollen.
Kreditvolumen: Von 25.000 bis zu 5 Millionen Euro.
Konditionen: Der günstige Zinssatz der KfW Bankgruppe wird für das Innovationsdarlehen um weitere 0,5 Prozentpunkte verbilligt. Hierfür stellt das Innovationsministerium bis 2012 insgesamt 10 Millionen Euro bereit.
Beantragung:
Das Darlehen, das das Innovationsministerium über die landeseigene NRW.Bank in Kooperation mit der KfW-Bankengruppe anbietet, kann bei allen Banken in Nordrhein-Westfalen beantragt werden.


Innovationsgutscheine
Adressaten: Zunächst kleine und mittlere Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung im
Technologiebereich Mikro/Nano/
Neue Werkstoffe investieren. In einem weiteren Schritt sollen die Gutscheineauf die Zukunftsfelder Energie, Lebenswissenschaften und Medizinforschung/Medizin-technik ausgedehnt werden.
Wert: Mit den Gutscheinen können die Unternehmen innerhalb eines Jahres von einer deutschen oder ausländischen Hochschule oder Forschungs-einrichtung qualifizierte Beratung, fachliche und wissenschaftliche Unterstützung erhalten. Diese können sie bei der Einführung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen oder für gezielte Forschungs- und Entwicklungsleistungen einsetzen.
Der Wert des Gutscheins ist variabel:
maximal beträgt er 6.000 Euro.
Beantragung: Anträge auf einen oder mehrere Innovationsgutscheine können von interessierten Unternehmen

jederzeit bei der Innovations-allianz der NRW-Hochschulen gestellt werden.


Innovationsassistenten
Adressaten: Unternehmen, die Hochschulabsolventen naturwissenschaftlicher oder technischer Fachrichtungen einstellen und im Bereich der betrieblichen Forschung einsetzen.
Förderung: Für jeden neu eingestellten Absolventen mit einem Beschäftigungsverhältnis von mindestens 24 Monaten soll das Unternehmen einen Festbetrag in Höhe von 15.000 Euro pro Jahr erhalten.
Start des Programms: voraussichtlich im August diesen Jahres.




Mehr Informationen unter
www.mittelstand.innovativ.nrw.de