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Startseite Politik Farewell-Gruß von US-Generalkonsul Matthew G. Boyse
Farewell-Gruß von US-Generalkonsul Matthew G. Boyse PDF Drucken E-Mail

Matthew G. Boyse»Wir müssen stets an unserer Beziehung arbeiten«

Die drei Jahre, in denen meine Frau Eleanore und ich das Privileg hatten, die Vereinigten Staaten in Nordrhein-Westfalen zu vertreten, waren großartig. Wir haben Tausende von interessanten Menschen kennengelernt und zahllose wunderbare Erlebnisse gehabt.


Unsere Familie verlässt Düsseldorf mit Erinnerungen, die uns ein Leben lang begleiten werden.

Wir hoffen, dass unser Beitrag ähnlich positiv war. Zu den vielen Veranstaltungen des Konsulats haben wir Tausende von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen eingeladen. Und weitere Tausende haben wir bei anderen Veranstaltungen kennengelernt, und auch dabei viele Freunde gewonnen. Dass wir mit engagierten Partnern in der Domstadt und aus anderen Städten eine Nachfolgeinstitution für das ehemalige Amerika Haus Köln ins Leben rufen konnten, bietet Deutschen, Amerikanern und anderen ein zusätzliches transatlantisches Forum.

USA

»Wir brauchen auch mehr Nuancen in unserem Dialog«

Als wir im August 2006 ankamen, war die Politik meiner Regierung nicht besonders beliebt. Das hat die Zusammenarbeit jedoch auf Regierungsebene, im Bereich Handel und Investitionen sowie die direkten Beziehungen zwischen den Menschen unserer Länder kaum beeinträchtigt. Wie viele hunderttausende Familien in bei-den Ländern unmittelbar von unseren Wirtschaftsbeziehungen profitieren! Dieser wirtschaftliche Aspekt wird oft unterschätzt und die Größenordnung ist selbst vielen Experten nicht immer bekannt.

Die Beziehungen NRW-USA sind so lebhaft und eng wie kaum zuvor. Das gegenseitige Interesse an unseren Ländern ist enorm. Reisen in die USA von offizieller Seite, darunter die jährlichen Besuche von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, haben für NRW und unsere Bundesstaaten viel Positives bewirkt, wie z.B. die Partnerschaft mit Pennsylvania.

Als Diplomat gehört es zu meinen Aufgaben, mein Land und seine Politik nicht nur zu vertreten, zu erläutern und, wenn nötig, auch zu verteidigen, sondern auch den Menschen im Gastland genau zuzuhören. Präsident Obama hat das Bild der USA in Deutschland verbessert und eine neue Dynamik ausgelöst, was  meine Arbeit leichter macht. Nicht alle meine Gesprächspartner sind jedoch optimistisch, was die Zukunft unserer Beziehungen angeht.  Viele meinen, lockerere Verbindungen zu Amerika seien im deutschen nationalen Interesse.

Aus meiner Sicht ist es genau umgekehrt.

Unsere Länder haben ein enormes gemeinsames Interesse, dass sich die Beziehungen auch in Zukunft so erfolgreich entwickeln wie in der Vergangenheit. Nach tausenden von Gesprächen und gewonnenen Eindrücken, habe ich dazu einige eigene Schlussfolgerungen:

  • Wir müssen besser über einander Bescheid wissen. Dass meine Landsleute sich mehr mit Deutschland beschäftigen sollten, ist nichts Neues. Aber ich habe auch hier überraschende Wissenslücken über die USA festgestellt, auch unter ansonsten gut informierten Leuten. Dabei ist es durch die moderne Kommunikation, günstige Reisemöglichkeiten und das Internet heute leichter denn je, andere Länder zu verstehen. Wir sind füreinander zu wichtig, um diese Möglichkeiten ungenutzt zu lassen.
  • Wir sollten einander mehr zuhören und die Komplexität unserer Politik und Gesellschaften vor Augen haben. Wir haben uns Vieles zu sagen und sollten offener für die Ansichten des Anderen sein. Wir brauchen auch mehr Nuancen und mehr Differenzierung in unserem Dialog. Wie einer meiner Professoren immer wieder fragte: „Are you sure?“
  • In unseren Ländern basiert der politische Diskurs auf Kritik und Diskussion, und wir sind für konstruktive Kritik. In Straßburg sagte Präsident Obama: „Aber in Europa gibt es einen Anti-Amerikanismus, der beiläufig ist, der aber auch hinterhältig sein kann. Statt das Gute anzuerkennen, das die Vereinigten Staaten so oft auf der Welt bewirken, gab es Zeiten, in denen die Europäer den Amerikanern die Schuld für viel von dem gaben, was schlecht war.“ Es gibt sicher Probleme, für die die USA Verantwortung tragen; es gibt andere, für die auch andere Staaten mitverantwortlich sind; und es gibt solche, an denen wir kaum beteiligt sind. Trotzdem gibt es eine weitverbreitete Tendenz, im Zweifel Amerika verantwortlich zu machen.
  • Idealismus ist in unseren Gesellschaften tief verankert, und beide haben viel Gutes in der Welt geleistet. Doch in unserem Bestreben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, müssen wir auch realistisch sein. Realpolitik – also die Welt zu nehmen, wie sie ist – ist ja ein deutsches Konzept. In schwierigen Zeiten sind wir besonders gefordert, realpolitisch und strategisch zu denken.
  • Weltoffenheit und Isolationismus konkurrieren in unseren beiden Ländern um Einfluss. Deutschland hat sein Engagement im Ausland in den letzten Jahren beträchtlich ausgeweitet, was aber in der Bevölkerung nicht populär ist. Ähnlichen Widerstand gibt es auch bei uns. Unsere Länder stehen ernsten internationalen Herausforderungen gegenüber, denen wir nicht aus dem Weg gehen und die wir nur durch Zusammenarbeit lösen können.
  • Auch sollten wir die junge Generation stärker in die beiderseitigen Beziehungen einbinden. In dem Maße, wie die vom Nachkriegskonsens geprägten Generationen langsam von der Bühne abtreten, wird die Nachfolgegeneration mit ihren anderen Erfahrungen an ihre Stelle treten. Wir müssen sicherstellen, dass auch sie verstehen, wie unverzichtbar unsere globale Partnerschaft ist.
  • Seit dem Zweiten Weltkrieg hat unsere Allianz unseren Ländern und der ganzen Welt enormen Nutzen gebracht. Aber wie Präsident Obama vor kurzem bemerkte, sollten wir uns nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Wir müssen an unserer Beziehung arbeiten und dürfen uns gegenseitig nicht für selbstverständlich nehmen.

Deutschland und die USA haben umfassende und historisch gewachsene Beziehungen zueinander, die Frieden, Freiheit und Wohlstand für beide Gesellschaften garantiert haben. Diese müssen sich auch weiterhin bewähren, denn die Probleme, die vor uns liegen, sind enorm. Wie Vizepräsident Joe Biden in München im Februar bemerkte: „Wir haben uns niemals mehr gebraucht als jetzt.“ Wir sollten uns weniger auf die geringe Zahl von Problemen konzentrieren, bei denen wir unterschiedlicher Meinung sind, und uns mehr auf unsere gemeinsamen Interessen besinnen, zum Nutzen unserer beider Gesellschaften und zukünftigen Generationen.

Herzlichen Dank für drei wunderbare Jahre!

Deutschland und Nordrhein-Westfalen haben einen engagierten Freund in den Vereinigten Staaten!