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Mehr Bildungsgerechtigkeit: Lernen ohne Umwege

Nordrhein-Westfalen steht gegenwärtig vor der Herausforderung der Umgestaltung seines Schulwesens. Nach heutigem Stand kann aufgrund des anstehenden massiven Schülerzahlenrückgangs in Zukunft das gegliederte System nicht mehr überall aufrecht erhalten werden.
von Prof. Dr. Gabriele Bellenberg

Diese Situation ist in einigen ländlichen Gebieten des Landes bereits jetzt eingetreten und die Kommunen ringen um attraktive Lösungen für ihr regionales Bildungsangebot. Dabei ist das Ziel der Schulträger, ihren Schülerinnen und Schülern möglichst wohnortnah alle Bildungsoptionen offen zu halten.

Andererseits liegt die Herausforderung aber auch in den großen Schwächen des gegliederten Systems, welche die empirische Schulforschung belegt hat: Für die Hauptschulen gilt beispielsweise, dass je weniger Schüler dort lernen, desto anregungsärmer das Lernmilieu und desto weniger erfolgreich lassen sich Lernprozesse für diese Schülergruppe initiieren. Zudem erfolgt der Übergang von der Grundschule in die Sekundarschulformen nicht leistungsgerecht, sondern Faktoren wie beispielsweise die soziale Herkunft spielen eine Rolle.

Die großen Schulleistungsstudien haben uns zudem gezeigt, dass es leistungsfähigere und auch bildungsgerechtere Schulsysteme als das nordrhein-westfälische gibt: Ein wichtiger Faktor zu einer Erhöhung der Bildungsgerechtigkeit ist die möglichst spät einsetzende Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlich anspruchsvolle Bildungswege, im günstigsten Fall  erst nach Beendigung der Pflichtschulzeit.

Hierzu zählt auch die möglichst weit reichende Integration von Förderschülern im Regelschulsystem. Mindestvoraussetzung für alle an die Grundschule anschließenden Bildungsgänge muss es deshalb sein, dort ohne Umwege und Zeitvergeudung zur allgemeinen Hochschulreife gelangen zu können.

Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht ist eine solche Strukturreform aber unbedingt durch eine Reform der Lehrerbildung wie des Unterrichts zu ergänzen, um zur Qualitätssteigerung und Erhöhung der Bildungsgerechtigkeit beizutragen.

Die Veränderung der nordrhein-westfälischen Schullandschaft, die auf diese Problemlagen antwortet, muss nicht überall im Land gleichzeitig erfolgen, sondern sollte in die regionalen Bildungslandschaften eingebunden sein und von den Regionen mitgetragen werden.