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Sieg der Vernunft Die Proteste von Schülern, Lehrern und Eltern in Aachen haben sich ausgezahlt: Ihre drei Schulen werden nicht geschlossen und in eine Gesamtschule umgewandelt. Stattdessen startet in Aachen ein modellhaftes Projekt besonders intensiver Kooperation innerhalb eines Stadtviertels.
„Das ist der pädagogische Wahnsinn“, hatte Manfred Paul (Foto), seit 16 Jahren Leiter der Hauptschule Aretzstrasse in Aachen, die Pläne des Stadtrates bezeichnet, die nun Dank der Entscheidung der Bezirksregierung Köln endgültig vom Tisch sind. Eine politisch ungewöhnliche Koalition von SPD, CDU, Grünen und der Linken im Aachener Stadtrat hatte über drei Monate die Eröffnung einer vierten Gesamtschule forciert. Demnach sollten im problembelasteten Ostviertel der Stadt die Hauptschule Aretzstrasse, die Hugo-Junkers-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium ab Schuljahr 2010/11 zu Gunsten einer neuen Gesamtschule weichen. Die Stimmung kochte hoch. Schulleiter Paul, langjähriges Mitglied der Grünen, hatte sogar aus Protest die Partei verlassen. Größter Irrsinn bei der ursprünglichen Planung: Es hätte überhaupt kein Schulgebäude gegeben, um alle neuen Gesamtschüler zu fassen, und man hätte wahrscheinlich die bisherigen Schulgebäude der aufzulösenden Lehranstalten als drei Standorte beibehalten müssen.
Ausgangspunkt der ganzen Debatte waren die schlechten Anmeldezahlen am Geschwister-Scholl-Gymnasium und das Bestreben der Lokalpolitiker, im Ostviertel die Möglichkeit des Gymnasial-Abschlusses zu bewahren. Die beiden Studienkollegs, an denen das Fachabitur schon jetzt möglich ist, hatte man offenbar ausgeklammert. Dafür war man bereit, drei gesunde Schulen zu opfern.
Regierungspräsident Hans Peter Lindlar hat nun Fakten geschaffen und mit dem „Nein“ der Bezirksregierung zu einer vierten Gesamtschule einen Schlussstrich unter die Debatte gesetzt. Stattdessen greift nun das Modellprojekt „Schulverband Ostviertel“. Kernpunkte des Konzeptes, welches die drei Schulleiter Klaus Becker (Gymnasium) , Herbert Strohmeyer (Realschule) und Manfred Paul (Hauptschule) der Bezirksregierung schmackhaft gemacht haben, sollen eine besondere Durchlässigkeit zwischen den Schulformen und schulübergreifender Unterricht sein. Obendrauf gab Lindlar eine Bestandsgarantie für die drei betroffenen Schulen für die kommenden fünf Jahre – das ist sogar mehr, als man erhofft hatte.
Das Frohlocken der betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer teilt im Stadtrat derweil kaum einer. Die Zustimmung zu dem Modellprojekt gab man notgedrungen – es blieb ja nichts anderes übrig. Und ein bisschen mutet es doch seltsam an, wenn der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat, Heiner Höfken, angesichts der erfolgreichen Bürgerbewegung von „Bremsern“ in der Landesregierung spricht, die angeblich aus ideologischen Gründen die Gesamtschule verhindern wollten. |