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Die Russen kommen

Wenige Bewegungen haben die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts so stark geprägt wie die der Russischen Avantgarde. Die gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen der Protagonisten haben nach beinahe 90 Jahren nichts von ihrer Kraft und Aktualität verloren. Das Museum Ludwig in Köln zeigt jetzt zweimal jährlich in besonderen Ausstellungen Teile seiner umfangreichen Sammlung. von Birgit Kelle

Exter

Mit mehr als 800 Werken betreut das Museum Ludwig eine der weltweit größten Sammlungen der Russischen Avantgarde aus der vor- und nachrevolutionären Zeit von etwa 1905 bis ca. 1930. Sie ermöglicht einen tiefen Einblick in die verschiedenen avantgardistischen Bewegungen dieser Zeit, mit wichtigen Werken des Neoprimitivismus, Kubo-Futurismus, Rayonismus, Suprematismus und Konstruktivismus.

Obwohl einige Schlüsselwerke dieser Zeit von Künstlern wie Chagall, Kandinsky und Jawlensky durch Josef Haubrich ans Museum gekommen sind, als es sich noch um das Wallraf-Richartz-Museum handelte, wurde die Russische Avantgarde zum Schwerpunkt. Zu verdanken ist dies Peter und Irene Ludwig, die über 600 Werke an das Museum übergeben haben. Erst kürzlich wurde die Zusammenstellung durch den Ankauf der Sammlung Mrazkowa verstärkt, die über 234 Fotographien der sowjetischen Avantgarde der 1920er und 30er Jahre zusammenbringt.

Museum Ludwig

MUSEUM LUDWIG KÖLN


Den Grundstock des Museums lieferte im Jahr 1976 die Schenkung von 350 Werken moderner Kunst des Ehepaares Ludwig an die Stadt Köln. 1986 wurde das von Peter Bussmann und Godfrid Haberer entworfene Gebäude zwischen Dom, Rhein und Hauptbahnhof eröffnet. Es verfügt über eine der bedeutendsten Sammlungen in Europa zur Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Darunter  Exponate der Russischen Avantgarde zwischen 1905 und 1935. Hinzu kam die außerhalb der USA umfassendste Sammlung amerikanischer Pop Art (u.a. von Lichtenstein, Rosenquist, Warhol und Wesselmann).

1994 übereigneten Peter und Irene Ludwig der Stadt Köln  zusätzlich 90 Werke ihrer Picasso-Sammlung und am 31. Oktober 2001 schenkte Irene Ludwig dem Museum aus Anlass der Wiedereröffnung 774 weitere Werke Picassos. Das Museum Ludwig verfügt damit nach Barcelona und Paris über die drittgrößte Picasso-Sammlung weltweit.

Ein weiterer Schwerpunkt des Museums ist die Fotografie und die VideoLounge mit  Videokunst, die seit den 70er Jahren angekauft wird.

Mehr als 70 Künstler dieser Zeit sind in der Sammlung vertreten – darunter Alexandra Exter, Natalia Gontscharowa, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Michail Larionow, El Lissitzky, Kasimir Malewitsch, Iwan Puni, Alexander Rodtschenko, Warwara Stepanowa, Nikolai Suetin, u.a. Mit wichtigen Beiträgen in Malerei, Skulptur, Graphik aber auch Fotografie, Theater und Tanz, Möbeln und Alltagsobjekten, Künstlerbüchern und Plakaten setzen sich die Künstler mit den Fragestellungen ihrer Zeit auseinander und sind für zeitgenössische Künstler aktueller denn je.

Dennoch wird das Museum Ludwig heute eher mit anderen Schwerpunkten identifiziert, wie etwa Picasso, den Expressionisten oder der Pop Art Sammlung.

Eine Ausstellungsreihe

Trotzdem oder auch gerade deswegen beginnt das Museum Ludwig im Mai 2009 eine neue Ausstellungsreihe. Anlässlich des 100. Geburtstages des „Futuristischen Manifestes“ von Marinetti widmet sich die erste Reihe unter dem Titel: „Eine Ohrfeige dem öffentlichen Geschmack“ dem Aufbruch der Moderne in Russland.

37 Werke von 23 Künstlern werden in besonderen Ausstellungsräumen zu sehen sein und bieten einen Einblick in diese vielfältige und faszinierende Schaffensperiode. „Dabei werden teils bekannte, aber auch bisher nie gezeigte Werke zu sehen sein“, so Katia Baudin-Reneau, Vizedirektorin des Museums. Die Werke spiegeln den anregenden künstlerischen Austausch Russlands mit Italien und Frankreich vor Ausbruch des ersten Weltkrieges wider. Spitzenwerke des Kubofuturismus von Popova und Exter werden ebenso wie Werke des Rayonnismus von Larionow und Gontscharowa – vier Künstler die in Paris gelebt haben – zu entdecken sein. Andere Werke zeugen von dem intensiven Austausch zwischen russischen Künstlern und Schriftstellern mit Vertretern des Futurismus, insbesondere Marinetti, der 1914 auf deren Einladung in Russland war.

Durch kabinettartige Ausstellungen zweimal im Jahr sollen verschiedene Schwerpunkte der Sammlung in monographischen und thematischen Auseinandersetzungen – teils ergänzt durch Leihgaben – hervorgehoben werden. Der zweite Teil der Ausstellung aus der Sammlung Ludwig wird sich dann ab Februar 2010 mit den Werken Kasimir Malewitsch befassen. Insgesamt sind bis ins Jahr 2012 sechs Ausstellungen geplant.