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Chillout im Sauerland

Ein neuer Tourismus-Manager will das Sauerland in Schwung bringen. Sein umfassendes Konzept soll das südliche Westfalen zu einer überregional bekannten Marke in Sachen Gesundheit, Wellness und Wohlbefinden machen.
von Klaus Kelle

sauerland

Thomas WeberWenn Thomas Weber von seinen Visionen für das Sauerland spricht, erwähnt er in Nebensätzen gern mal die „Berufs- Bayern“ oder die „Berufs-Tiroler“. Dabei schwingt ein wenig Spott aber auch neidlose Anerkennung mit, denn der neue Chef der Sauerland-Touristik hat keine Scheu zuzugeben: „Die sind uns voraus.“ Das meint Weber natürlich nicht grundsätzlich, sondern in Bezug auf das Selbstbewusstsein: „Wir trauen uns hier nicht, unsere Potentiale ins Fenster zu stellen, so wie man das heute unter Marketing-Gesichtspunkten machen muss.“

Seit drei Monaten ist der 50-Jährige im Amt, zuvor war er Tourismus-Direktor in Schmallenberg; davor Kurdirektor in Wyk auf Föhr. Alles andere als ein Neuling im Tourismus-Gewerbe also. Doch nun, im beschaulichen Sauerland, spürt er neue Herausforderungen: „Ich habe das jungfräuliche Gefühl, dass ich ganz von vorne anfange.“

Und dabei legt Weber ein atemberaubendes Tempo vor. Zusammen mit Gemeinden, Gastronomen, Kirchen und Heimatvereinen will er das Image Südwestfalens umkrempeln. Die Zeit scheint reif dafür, obwohl sich die Hoteliers in der Region 2008 noch über einen Zuwachs freuen durften. 2,1 Gäste erbrachten sieben Millionen Übernachtungen und zwei Milliarden Euro Umsatz – ein mehr als ordentliches Ergebnis. Fast jeder fünfte Kurzurlauber im größten Wintersportgebiet nördlich der Alpen kommt zudem aus dem Ausland, besser gesagt aus Holland und Belgien.

Wintersport und Wandern in herrlicher Natur – dafür kennt man das Sauerland. Doch Weber denkt darüber hinaus. Gesundheit und Vitalität sind die Begriffe, die er immer wieder erwähnt: „Das Sauerland ist ein ideales Kurzzeit-Regenerations- Gebiet. Hier ist Platz, hier kann man sich mal richtig Zeit nehmen. ‚Chillen’ nennt man so etwas heute wohl.“

Die Voraussetzungen scheinen ideal. So gibt es im südlichen Westfalen die größte Verdichtung von Kurorten: Brilon, Olsberg, Schmallenberg, Winterberg, Bad Sassendorf, und, und, und… Es gibt zahlreiche Wellness-Hotels und ein hohes medizinisch- therapeutisches Potential. Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte, ist ebenso willkommen wie Leute, die ein paar Kilos abspecken oder etwas gegen ihr Burn-Out-Syndrom tun wollen. Thomas Weber hofft auf eine neue Kundschaft, die ins Sauerland kommt, um die innere Balance wieder herzustellen. Eine Art Werbeslogan hat der umtriebige Macher dafür auch zur Hand: „Im Sauerland kannst Du dir was Gutes tun!“ Und warum nicht ein spezielles Sauerland-Frühstück kreieren, nur mit Nahrungsmitteln aus heimischer Produktion? Und das könnten Gäste in jedem Hotel der Region bestellen. Der Touristikexperte gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen Plänen spricht. Es scheint, als sprudeln seine Ideen unerschöpflich.

sauerlandtouristik


Dabei weiß Weber auch, dass er noch viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Und: Das Geld ist knapp. Bis zur Regionale 2013 will er das nötige Bewusstsein geweckt haben. Die Modernisierungs- Offensive für die Bahnhöfe im Sauerland ist bereits beschlossene Sache. Und dann wird es ganz konkret: „Wir müssen jetzt erst einmal pauschale und buchungsfähige Angebote entwickeln.“ Seine Vision, da ist sich Weber sicher, ist eine Aufgabe für Jahrzehnte. Und es ist eine Vision, die weit über normales Tourismus-Marketing hinaus geht. „Es wäre doch schön“, sagt er, „wenn die Kinder hier auf der Straße zu fremden Leuten auch mal ‚Guten Morgen’ sagen.“