| Interview mit JÜRGEN ROTERS |
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Jürgen Roters war schon Regierungspräsident und Polizeipräsident.
Als Kandidat von SPD und Grünen zieht er nun in den Kampf um das Amt des Oberbürgermeisters in Nordrhein-Westfalens größter Stadt: Köln
Herr Roters, Sie wohnten bisher in Düsseldorf. Warum möchten Sie Oberbürgermeister in Köln werden?
Köln ist eine lebendige und innovative Stadt, auch wenn sie in den letzten Monaten etwas schlecht in der öffentlichen Meinung weggekommen ist. Es reizt mich, meine Erfahrung, die ich als Behördenleiter gesammelt habe, mit einzubringen. Ich will eine moderne Verwaltung schaffen, in der eine besondere Verwaltungskultur mit klarer Führungsphilosophie erkennbar wird.
Haben Sie nicht ein bisschen Angst vor dem Sumpf-Faktor in der Kölner Politik?
Nein, ich glaube, hier wird manches übertrieben. Weil es ja so schön ist, den Kölner Klüngel zu brandmarken, werden hier auch manche Vorurteile bedient. Natürlich gibt es teilweise ein bleiernes Netz von Verfilzung und von gegenseitiger Abhängigkeit. Aber das unterscheidet sich nach meinen Erfahrungen nicht in besonderer Weise von anderen Städten.
Brauchen Sie denn nicht auch ein Netz, um getragen zu werden?
Ich bin ja relativ unabhängig, und niemand hat mich gezwungen, für dieses Amt anzutreten. Ich möchte wirklich etwas gestalten. Da braucht man natürlich die Unterstützung von Menschen. Wir brauchen mehr Motivation von Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftskreisen, man muss Entscheidungsträger zusammenbringen. Diese Art der Vernetzung hat nichts mit negativem Klüngel zu tun.
Kölns amtierendem Oberbürgermeister Fritz Schramma werden Defizite bei der Verwaltungsführung nachgesagt, er wird aber für seine gute Repräsentation geschätzt. Sie sind Verwaltungsfachmann, aber haben Sie auch Spaß an öffentlichen Auftritten?
Man muss eine gute Balance zwischen den Aufgaben, die man als Oberbürgermeister hat, finden. Man muss nah bei den Bürgern sein, um ihre Sorgen und Erwartungen aufzunehmen. Das kann man nicht nur vom Schreibtisch aus. Aber es gibt auch großes Verständnis dafür, dass man nicht auf allen Terminen präsent sein kann. Man muss die Arbeits-kraft, die man hat, gut verteilen. Ich werde nicht bei Dutzenden von Karnevalsveranstaltungen anwesend sein, man kann das auch ein bisschen reduzieren.

Macht Ihnen als Düsseldorfer der Kölner Karneval denn keinen Spaß?
Ich feiere gerne Karneval. Aber solche Veranstaltungen können auch zur Qual werden, wenn man schon zum 28. oder zum 30. Mal unterwegs gewesen ist. Man weiß ja immer, dass man am nächsten Tag wieder fit sein und andere Aufgaben erfüllen muss – dann ist es schon eine Belastung. Aber zum Glück gibt es ja noch ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die man dann sehr viel stärker einsetzen kann.
Wenn man Köln mit anderen Städten vergleicht, was muss Köln insgesamt besser machen, um wieder besser da zustehen?
Köln ist wirtschaftlich gesehen sehr breit aufgestellt, ist nicht abhängig von einem Monopol-Unternehmen, sondern hat vom Dienstleistungssektor bis zur Industrieproduktion ein breites Spektrum. Hinzu kommt das Lebensgefühl der Menschen, die hier einfach eine bestimmte Form des Miteinanders haben, wo man sich schnell wohl fühlen kann. Die andere Seite ist die, dass Köln es versäumt hat, in den letzten Jahren häufiger über den Tellerrand zu schauen. Da ist eine gewisse Selbstverliebtheit festzustellen. Man genügt sich selbst und erkennt nicht hinreichend, dass andere Städte sich weiterentwickelt haben. In Zukunftsbranchen wie dem Kultursektor oder im Bereich der Medienkompetenzen müssen neue Ideen aufgenommen werden, damit man bald wieder sagen kann, Köln ist ein strahlender Stern.
Würden Sie jemand sein, der die lang gepflegte Feindschaft zwischen Köln und Düsseldorf als Oberbürgermeister ein bisschen abbaut?
Das würde ich gerne tun. Natürlich gibt es mentale Unterschiede, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das merkt man schon daran, wie man jeweils Karneval feiert, das habe ich ja in beiden Städten erlebt. Dieses Ursprüngliche und etwas Wildere, das gibt es nur in Köln. Diese Unterschiede muss man ja nicht alle negieren. Wir müssen aber eine stärkere Vernetzung zwischen den Städten an der Rheinschiene herbeizuführen, und dazu gehört auch Düsseldorf. Wenn man sich einmal den europäischen oder internationalen Maßstab ansieht, dann sind das ja Städte, die fast aneinandergrenzen. Bei der Kooperation der Verwaltungen, bei Messen, bei der Kulturvermarktung müssen wir uns doch besser abstimmen können!
Und das Ruhrgebiet muss dabei draußen bleiben?
Ja, man muss ja irgendwo Grenzen ziehen, aber keine willkürlichen. Wenn man von einer Metropolregion spricht, kann das nicht beliebig sein. Es muss ein bestimmtes Maß an Zusammengehörigkeit und gleichen Interessen da sein. Der erste Schritt in der regionalen Zusammenarbeit wäre der etwas kleinere in der Region Köln-Bonn mit Leverkusen und den anliegenden Landkreisen. Der zweite Schritt wäre dann, eine engere Zusammenarbeit auch mit Düsseldorf, vielleicht auch mit Krefeld und mit Gladbach. Danach erst kann man weiter nachdenken.
Einer, mit dem Sie als Kölner Oberbürgermeister kooperieren müssten, wäre Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Wie macht denn der seinen Job aus Ihrer Sicht?
Ich glaube, auch Nordrhein-Westfalen könnte besser dastehen, auch im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Es gibt positive Ansätze, das will ich gar nicht bestreiten, zum Beispiel in einigen Fragen der Wirtschaftsförderung. Aber in der Sozialpolitik gibt es Mängel, so sind beim Kinderbildungsgesetz die Strukturen nicht in Ordnung. Überhaupt werden in der Bildungspolitik die alten Fehler, die auch unter Rot-Grün schon gemacht worden sind, fortgesetzt: immer neue, kleinere Projekte, ohne die grundlegende Struktur zu hinterfragen. Wir brauchen mehr gemeinsames Lernen und mehr individuelle Förderung. Losgelöst davon muss ich natürlich, wenn ich Oberbürgermeister werde, auch mit der Landesregierung eng zusammenarbeiten. Man ist ja aufeinander angewiesen. Es nützt dem Land nichts, wenn es der Stadt Köln schlecht geht, und umgekehrt gilt das auch.
Hat die Wirtschaftskrise den Menschen Jürgen Roters schon irgendwie persönlich getroffen?
Nein, ich habe kein Aktiendepot, also von daher ist sie noch nicht so unmittelbar bei mir angelangt. Ich bin überhaupt nicht jemand, der, sagen wir mal, finanzpolitisch Wagnisse eingeht.
Ihre liebste Freizeitbeschäftigung?
Ist natürlich selbstverständlich das Laufen, das mache ich ja seit über 50 Jahren schon regelmäßig, meinen Dauerlauf, aus Vergnügen, nicht als Last. Ich gehe gern in der freien Natur spazieren. Meine Lieblingsbeschäftigung ist klassische Musik hören, das ist etwas, was mir sehr viel auch innere Beruhigung bringt.
Gibt es auch eine Tätigkeit, die Ihnen besonders verhasst ist?
Ja, Lochen und Heften.
Dafür gibt es ja wohl Mitarbeiter, wenn Sie Oberbürgermeister würden. Apropos: Der neue US-Präsident Obama hat seiner Familie damals für den Fall seiner Wahl versprochen, dass ein Hund als Haustier angeschafft wird. Haben Sie Ihrer Familie auch irgendwas versprochen?
Nein, solche Versprechungen habe ich nicht gemacht. Aber ich bin sehr froh, dass die gesamte Familie hinter mir steht. Deswegen muss man doch nichts als Entschädigung anbieten. Meine Kinder haben sogar freiwillig angekündigt, dass sie sich in den Wahlkampf einbringen – beim Plakatkleben und bei Veranstaltungen. Das ist schon toll, dass sie innerlich auch dahinter stehen.
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