| Interview mit GEORG NEUF |
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»Die Anleger müssen raus
aus den Geldwerten«
Viele Anleger suchen in der Krise nach Alternativen, ihr Vermögen zu sichern. NRW.jetzt sprach mit dem Buchautor und Anlageexperten Georg Neuf über die Flucht ins Gold.
Herr Neuf, viele Menschen haben in der derzeitigen Krise Angst um ihr Vermögen, Experten sagen für die kommenden Jahre eine deutliche Inflation voraus. Belebt das Ihr Geschäft?
Absolut, die Nachfrage nach Goldanlagen ist stark angestiegen. Von den sechs Billionen Euro, die an Spareinlagen in Banken und Sparkassen liegen, wurden bisher lediglich 1,7 Prozent in Edelmetalle angelegt. Die Zahl der Anleger, die das gemacht haben, lag sogar unter einem Prozent. Nun ist spürbar, dass insbesondere kleine Anleger ihr Vermögen umschichten zu mehr Edelmetallen. Der Trend zur Umschichtung bzw. die Angst vor Geldverlust oder Geldentwertung ist besonders in Ost europa groß. Dort verzeichnen wir zur Zeit den größten Umsatz. In den letzten zwölf Monaten hatten wir insgesamt eine Umsatzsteigerung von 500 Prozent.
Besteht dabei nicht die Gefahr, dass die Zentralbanken in eine Situation kommen könnten, in der sie gezwungen sind, Gold im großen Stil zu verkaufen, um liquide zu bleiben? Immerhin besitzen diese Banken rund ein Fünftel des weltweiten Goldbestandes. Ein massiver Verkauf würde den Wert des Goldes nach unten drücken…
Das hatten wir zwischen 1980 und 2000 schon einmal, aber das wird nach meiner Einschätzung so nicht wieder passieren. Im Gegenteil, viele Staaten und Notenbanken kaufen derzeit wieder Gold hinzu. Nehmen Sie das Beispiel der Schweiz. Als das Land 1998 dem Internationalen Währungsfond beitrat, wurden im Anschluss etwa 50 Prozent der Goldvorräte verkauft. Heute gibt es in der Schweiz erheblichen Druck, auch aus der Bevölkerung, die Goldreserven wieder aufzustocken.
Steht uns, Ihrer Meinung nach, ein Crash bevor?
Ich denke, er hat bereits begonnen. Die Triade Börsencrash, Bankencrash, Realcrash lässt sich kaum aufhalten – das eine ist unweigerlich mit dem anderen verbunden, was ich auch in meinem Buch „Bank weg! Haus weg! Geld weg!“ beschrieben habe. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, Unternehmen und Arbeitsplätze bedroht sind, geht nichts über die eigene Vorsorge. Auf politische Entscheidungen sollte man dann nicht mehr warten, es könnte bereits zu spät sein.
Was muss ein Anleger wissen, der mit Gold noch keine Erfahrung hat, sich aber dafür interessiert?
Das Wichtigste ist, dass er sich klar macht, dass Gold in Bezug auf eine Wertsteigerung nicht voraussehbar ist. Gold und Silber sind eine inflationsgeschützte und kaufkraftsichernde Währung. Jemand, der bisher mit Aktien spekuliert, weil er auf schnelle Wertsteigerungen hofft, ist bei Edelmetallen falsch. Man kauft Gold, um sich vor Krisen – wie etwa einer Hyperinflation, einer Währungsreform oder weltweiten Finanzkrise – zu schützen.
Was empfehlen Sie Anlegern, wie sie ihr Vermögen sinnvoll aufteilen sollen?
Mein Rat ist, dass ein Anleger etwa 25 Prozent seines Vermögens in Edelmetalle investieren sollte. Und er sollte Geld in Sachwerte stecken und nicht in Geldwerte. Ich glaube persönlich, dass eine viel umfangreichere Finanzkrise erst in sechs bis zehn Jahren kommen wird. Dann müssen die Anleger raus aus den Geldwerten sein.
Worauf begründet sich Ihre Einschätzung?
Schauen Sie sich in Osteuropa um! In Ungarn, Rumänien, Serbien und der Ukraine droht eine Hyperinflation. Die Ukraine stand doch vor Kurzem schon vor dem Staatsbankrott und konnte nur durch eine Soforthilfe von 6,5 Milliarden Euro durch die Europäische Union vor dem Staatsbankrott bewahrt werden. Und wenn es in Serbien innerhalb von 35 Jahren zum vier-ten Mal zu einer Hyperinflation kommt, verlieren die Leute dort wieder ihr ganzes Vermögen. Wir sind das erste Unternehmen, das in Osteuropa in nennenswertem Umfang Edelmetalle verkauft und haben für unser Investitionskonzept in Gold und Silber zum Teil auch dort eine Genehmigung erhalten, wo es bislang nicht möglich war.
Aber Serbien und Rumänien sind nicht Deutschland und Frankreich…
Richtig, hier wird die nächste große Krise erst später kommen als in Osteuropa, aber glauben Sie mir: Die EU hat irgendwann nicht mehr die Kapazitäten alle finanziell angeschlagenen Staaten zu stabilisieren. Bereits nach fünf Jahren haben die Euro-Gründungsnationen Deutschland und Frankreich die Stabilitätskriterien erstmals selbst verletzt. Es könnte eine Zeit kommen, in der man von einem deutschen, französischen oder griechischen Euro spricht. Auf den neuen Euro-Banknoten von der Banque Centrale du Luxembourg hat man in gewisser Weise schon vorgesorgt. Neben der elfstelligen Seriennummer befindet sich nun auch ein Buchstabe als Ländercode. Eine Kennzeichnung, die im Falle eines Auseinanderbrechens des europäischen Währungssystems recht hilfreich sein kann.
Oder schauen Sie in die USA! Dort wird jetzt eine Milliarde neuer Dollars gedruckt und in Umlauf gebracht. Und das, obwohl der Dollar als Leitwährung der Welt höchst gefährdet ist.
Das Problem der Scheinblüte ist ein weltweites. Viele Menschen haben die Geldschwemme in den Neunziger Jahren für echten Wohlstand gehalten und dabei übersehen, dass sich das Geldvolumen in den letzten 30 Jahren um das Vierzigfache erhöht hat, das Volumen der Güterproduktion jedoch nur um das Vierfache. D.h. die Finanzwelt hat sich deutlich von der Welt der realen Güter getrennt. Eine Korrektur diese Fehlentwicklung ist deshalb früher oder später die logische Folge.
Sie handeln mit Gold-Dinar Münzen, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten geprägt werden. Warum setzen Sie nicht direkt auf den südafrikanischen Krügerrand oder eine andere als Zahlungsmittel eingeführte Goldwährung?
Der Dinar und der Dirham werden seit 1993 wieder geprägt, mit dem Ziel, diese Medaillen wieder weltweit zur Anerkennung kommen zu lassen. Dazu muss eine Notenbank nur Ja sagen. Für die Anleger ist das sehr gut, denn wenn der Dinar Zahlungsmittel wird, kommt ja noch der Sammlerwert hinzu, und das bedeutet wahrscheinlich eine erhebliche Wertsteigerung für die Anleger.

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