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Wirtschaftsministerin CHRISTA THOBEN im Interview PDF Drucken E-Mail

Christa Thoben»Unsere Lage und unsere

Ingenieure sind ein

Plus auf dieser Welt«


Frau Ministerin, was entgegnen Sie Leuten, die in der Krise fordern, nur einheimische Produkte zu kaufen?

Das hört sich immer so gut an, sehr heimattreu zu sein. Was man dabei übersieht ist, wie stark wir vom Warenaustausch leben. Die internationale Verflechtung ist für uns sehr wichtig.

Aber was ist dagegen zu sagen, jetzt den Kauf von Opel-Autos zu empfehlen?

Natürlich das darf man das sagen. Aber ich darf nicht mit staatlichen Instrumenten nachhelfen, dass dies passiert. Die Wahl des Käufers muss frei bleiben.

Ist Nordrhein-Westfalen wirklich ein so beliebter Standort in der globalen Wirtschaft?

Ja, da sind wir sicher. Wir werben ja nicht mit niedrigen Steuern oder solchen Dingen, sondern mit unserer Lage. Sie können hier innerhalb einer Tagesreise über 100 Millionen Kunden erreichen. Das ist für Firmen, die kundennahe Produkte verkaufen wollen, ein ungeheuer zentraler Standort. Außerdem ist unser internationales Ansehen bei Ingenieurleistungen immer noch sehr gut. Wenn wir für unser Land werben, können wir zum Beispiel auch damit werben, dass wir hier die RWTH Aachen haben, eine der bedeutendsten Hochschulen in ganz Europa. Also wir haben schon ein paar Dinge, mit denen wir ganz offensiv werben können.

Ohne globale Geschäftsbeziehungen würde NRW in der Krise schlechter dastehen?

Eindeutig! Wir sind ja nicht mit Billigprodukten, sondern wir sind mit qualitativ hochwertigen Produkten international präsent. Das zeigt doch unsere internationale Leistungsfähigkeit. Man muss sich auch das im Angesicht der aktuelle Krise einmal bewusst machen.

Welche Investoren sind in NRW besonders gefragt? Oder nehmen wir alles, was kommt?

Ich würde erst mal sagen: Her mit der ganzen Welt! Besonders attraktiv sind für uns natürlich Unternehmen aus sehr großen Ländern wie Indien und China. Und das vor allem deshalb, weil sie aufstrebende Länder sind und gerne den europäischen Markt bedienen würden. Da wünschen wir uns, dass sie das ruhig von hier aus machen. Eine bessere Lage kriegen sie nicht.

Sollte bei Beteiligungswünschen aus anderen Ländern nicht mehr darauf geachtet werden, wie die politischen Verhältnisse dort sind?

So abstrakt kann man das nicht beantworten. Es gibt schon sensible Bereiche, wo das unter Sicherheitsaspekten wichtig sein kann. Also bei Produkten und Leistungen, die etwas mit Militär zu tun haben. Oder ich hätte auch nicht so gerne, wenn unsere gesamten Elektrizitätsnetze in der Hand von Jemandem wären, den ich für politisch unkalkulierbar halte. Aber das muss man letztlich im Außenwirtschaftsgesetz auf Bundesebene konkret und abschließend regeln.

Wirbt Nordrhein-Westfalen denn auch intensiv genug im Ausland?

Ach, wir würden immer gerne noch viel, viel mehr machen. Der Landtag hat uns ein begrenztes Budget zur Verfügung gestellt, das wir jetzt nutzen. Ich glaube, dass wir im Zuge dieses Prozesses der Werbung im Ausland auch zunehmend Unternehmen aus dem eigenen Lande finden werden, die uns dabei unterstützen werden, weil sie merken, dass die Kampagne auch ihnen gut tut.

Kürzlich waren ja die Scheichs schon hier in Nordrhein-Westfalen, aber wie schätzen Sie heute die Chance ein, einen ausländischen Großinvestor für Opel zu finden?

Ich glaube, das Problem ist nicht, einen Investor mit viel Geld zu finden. Den gibt es ganz bestimmt. Was entscheidend dafür ist, ob wir einen für den deutschen Teil oder den europäischen Teil von Opel finden können, sind die Entscheidungen, die in den USA getroffen werden. Sie können ja niemanden für ein Engagement hier im Land begeistern, der noch gar nicht weiß, was ihm dann letztlich gehören wird.

Wie viel Einfluss kann ein einzelnes, deutsches Bundesland überhaupt bei so einem Problem nehmen?

Ein Teil der Entscheidungen fällt woanders, das ist objektiv so. Aber das heißt ja nicht, dass man an diesen Entscheidungen nicht mitwirken kann. Wir haben mit der Task Force der Bundesregierung einen ganz engen Draht. Unsere Auffassungen werden dort gehört, und wir werden auch über die Gespräche, die mit den USA über dieses Problem geführt werden, stets informiert.




Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe MAI 2009

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